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Baukultur

Industriekultur

Nordrhein-Westfalen wurde wie kaum ein anderes Bundesland von der Industrialisierung geprägt: Montan-, Chemie- und Textilindustrie sowie der Automobilbau bilden die wesentlichen Einflüsse. Anschaubare und begreifbare architektonische Zeugnisse für den Stand der Industrie- und Technikbaukunst und für die Geschichte der Arbeit finden sich in großer Zahl überall in Nordrhein-Westfalen. Die Landesregierung verfolgt seit über zwei Jahrzehnten das Ziel, diese bedeutenden Standorte des industriekulturellen Erbes zu erhalten und für neue Nutzungen wie Gewerbe und Handel, Wohnen sowie Kultur und Freizeit herzurichten.

Wer den Begriff Industrialisierung im Zusammenhang mit Nordrhein-Westfalen hört, denkt an das Ruhrgebiet. Keine andere nordrhein-westfälische Region ist in vergleichbarer Weise von der Phase der Hochindustrialisierung geprägt. Doch auch andere Teile unseres Landes haben eine oftmals viel ältere Technik- und Industrialisierungsgeschichte. Über 3500 geschützte Industriedenkmäler im ganzen Land sind Zeugnisse der Industriegeschichte der Regionen.

Dokumentation, Erforschung und Präsentation

Seit Ende der 1970er Jahre dokumentieren und erforschen die Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe die historische Entwicklung der wichtigsten Industriezweige und Industrieregionen unseres Landes in einem industrie- und sozialgeschichtlich orientierten dezentralen Museum. An 14 Standorten stellen das Rheinische Industriemuseum und das Westfälische Industriemuseum die Kultur des Industriezeitalters und ihrer Entwicklung unter besonderer Berücksichtigung der entsprechenden Arbeits- und Lebensverhältnisse beispielhaft dar. Neben diesen Industriemuseen der Landschaftsverbände wird die Industrie- und Technikgeschichte in etwa 150 Museen und Einrichtungen in der Trägerschaft von Kommunen und von zahlreichen bürgerschaftlich getragenen Vereinen und Initiativen für künftige Generationen überliefert.

Internationale Bauausstellung (IBA)

International beachtete Erfolge bei der Erhaltung und neuen Nutzung von Industriedenkmälern konnten mit der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscher Park erzielt werden. Von 1989 bis 1999 hat die IBA als Strukturprogramm für die altindustrielle Region im nördlichen Ruhrgebiet daran mitgewirkt, dass neues Leben in alte Fabrik- und Zechenhallen einzog. Die Herrichtung von großen Industriedenkmälern für neue Nutzungen hat zur Entwicklung brach gefallener Industriestandorte, zur Ansiedlung neuer Betriebe und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beigetragen. Zu den herausragenden IBA-Projekten gehören die Zeche und Kokerei Zollverein in Essen, die im Jahr 2002 in die UNECSO-Liste des Welterbes aufgenommen wurden.

Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

Mit der 1995 gegründeten "Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur" wurde bundesweit erstmalig ein Instrument geschaffen, bedeutende Industriedenkmäler nach Aufgabe der betrieblichen Nutzung aus dem tagespolitischen Veränderungsdruck herauszunehmen. Durch Aufnahme in die Stiftung soll ihnen die Zeit gegeben werden, die für die Entwicklung wirtschaftlich vrtretbarer und gleichzeitig denkmalgerechter neuer Nutzungen erforderlich ist.

RuhrTriennale

Einige herausragende Industriedenkmäler im Ruhrgebiet sind Spielstätten der RuhrTriennale. Dieses Kultur-Festival hat sein eigenständiges Profil im Rahmen anderer europäischer Festivals aus der Industriekultur definiert, indem sich seine Inszenierungen mit dem besonderen Ambiente der Spielorte auseinandersetzen.

Route der Industriekultur

Durch den Strukturwandel in den letzten Jahrzehnten sind mehrere Hunderttausend gewerbliche Arbeitsplätze weggefallen. Die Umnutzung herausragender Industriedenkmäler zu Stätten der Kultur und der Freizeit hat deren touristisches Potenzial herausgestellt und gefördert. Industriedenkmäler sind zu einem bedeutenden Tourismus-Faktor geworden - etwa entlang der "Route der Industriekultur" im Ruhrgebiet. Diese ist Vorbild und Bestandteil der "Europäischen Route der Industriekultur (ERIH)".

Charta Industriekultur NRW 2020

Um die international führende Position der Industriekultur in Nordrhein-Westfalen auch künftig zu halten und weiter auszubauen, hat die vom Land berufene „Arbeitsgruppe Industriekultur NRW“ die "Charta Industriekultur NRW 2020" erarbeitet. Sie enthält Schwerpunkte mit besonderem Handlungsbedarf, für die Empfehlungen gegeben sowie Selbstverpflichtungen angeregt werden.

Charta Industriekultur NRW 2020

Weiterführende Informationen:

Alsdorf Zeche Anna Kraftzentrale
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