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Baudenkmalschutz

Bodendenkmalschutz

Die meisten Spuren der Menschheitsgeschichte finden sich im Boden. Bodendenkmalschutz und Bodendenkmalpflege sind gesetzlich geregelte Belange, die in öffentlichem Interesse stehen. Sie bewahren archäologische und paläontologische Denkmäler als integrale Bestandteile unserer historisch gewachsenen Kulturlandschaften. Bodendenkmäler zeugen von ehemaligen Bestattungsplätzen und Kultorten, von alten Handelsplätzen, Siedlungen oder Befestigungsanlagen. Als Zeugnisse der Besiedlung der Landschaft ermöglichen sie faszinierende Einblicke in die Geschichte und Lebensweise unserer Vorfahren. Archäologie und Bodendenkmalpflege wirken somit in hohem Maße sinn- und identitätsstiftend, sie bewahren unser kulturelles Erbe für unsere Nachkommen und nehmen darüber hinaus eine wichtige Rolle in der Landesplanung, Raumordnung und Stadtentwicklung ein.

Historisches Erbe erleben in archäologischen Parks und Museen in Nordrhein-Westfalen

Die Ergebnisse der bodendenkmalpflegerischen Arbeit werden der Öffentlichkeit besonders in den Dauer- und Wechselausstellungen der archäologischen Museen, aber auch in den Archäologischen Parks nahe gebracht: Etwa im Archäologischen Park Xanten mit seinem Römermuseum, im Römermuseum Haltern mit der Entwicklung des archäologischen Freigeländes oder im Archäologischen Freilichtmuseum in Oerlinghausen. Schutzbauten und Rekonstruktionen, didaktische Modelle in digitaler Form oder als konventionelle Modellbauten veranschaulichen neben sichtbaren auch die unsichtbaren Bodendenkmale und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Identifikation einer breiten Öffentlichkeit mit Ihrer Region und Geschichte. Vielerorts prägen Bodendenkmäler das Stadtbild und werden dann zum Gegenstand des städtebaulichen Denkmalschutzes. Dies wird besonders deutlich, wenn man sich wie in Köln Stadtmauern aus römischer oder mittelalterlicher Zeit, Graben- und Wallanlagen wie in Xanten am Niederrhein oder Festungssystemen wie der Zitadelle in Jülich oder der Paulsburg und Bastion in Münster nähert. Eine Übersicht der wichtigsten Funde der jüngeren Vergangenheit präsentiert die Landesausstellung "Fundgeschichten" im Jahr 2010 in Köln, die 2011 in Herne gezeigt wird.

Baumaßnahmen und Eingriffe in den Boden gefährden die Bodendenkmäler

Das Land Nordrhein-Westfalen fördert die Erforschung, Erhaltung und Präsentation von Bodendenkmälern auf vielfältige Weise. Viele Bodendenkmäler sind durch Überplanung, Baumaßnahmen und Bodeneingriffe hochgradig gefährdet und von endgültiger Zerstörung bedroht. Die Denkmalförderungsprogramme helfen dabei, die Bodendenkmäler an Ort und Stelle zu erhalten. So werden über die Bodenkmalpflegeämter in Bonn, Köln und Münster sowie die zwölf Stadtarchäologien wissenschaftliche Forschungsprojekte durchgeführt, Publikationen und archäologische Ausstellungen mit bodendenkmalpflegerischem Bezug unterstützt und archäologische Funde in den Landesmuseen restauriert und konserviert. Dazu gehört auch, naturwissenschaftlicher Verfahren zur Datierung und Herkunftsbestimmung von archäologischen Funden anzuwenden und zu verbessern, wie der Anthropologie, Geoarchäologie, der Paläobotanik und Dendrochronologie.

Besonders aufwendig sind Grabungen im Zusammenhang mit städtischen Großbauprojekten. In den vergangenen Jahren sind hier besonders der U-Bahnbau in Köln oder der Ausbau des Kongresszentrums im ehemaligen Regierungsviertel in Bonn zu nennen.

Berührungsfreie Untersuchungen als Alternative

Berührungsfreie Untersuchungen, wie etwa geophysikalische Prospektionen, sind zeitgemäße und schonende Untersuchungsmethoden, die mit verhältnismäßig geringen Bodeneingriffen gute Ergebnisse erzielen. Sie ermöglichen Aussagen zum bodendenkmalpflegerischen Potential größerer Flächen, die ansonsten nur mit erheblichem Grabungsaufwand und entsprechender Zerstörung der Befunde zu gewinnen wären. Die Geophysik hilft bei der Vorabschätzung des archäologischen Potentials einer Fläche, sowie bei der Planung und Steuerung von Notgrabungen. Dies vermeidet Konflikte und spart Zeit und Geld.

Auch wenn Archäologie und Bodendenkmalpflege ohne Ausgrabungen undenkbar wären, so muss man sich klar machen, dass Ausgrabungen letztendlich Bodendenkmäler zerstören. Daher beschränken sich die Bodendenkmalpflegeämter auf die absolut notwendigen Grabungen im Sinne von Not- oder Verursachergrabungen, abgesehen von wenigen wohlbegründeten Ausnahmen mit einem besonderen Forschungsaspekt. Doch auch hier wird nach Möglichkeit Befund schonend gearbeitet.

Weiterführende Informationen:

Hörder Burg, Dortmund
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